Umgang mit Bestandsgebäuden: Zukunftslabor Juridicum stellt Abschlussbericht vor : Datum:
Wie gehen wir mit dem Gebäudebestand der Nachkriegsmoderne um? Das Juridicum, ein 60ziger Jahre Bau, in Frankfurt am Main steht exemplarisch für diese Frage. Im Zukunftslabor Juridicum bringt die Frankfurt UAS Fachleute unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um vier Zukunftsszenarien zu diskutieren und zu bewerten. Das Ziel: eine fundierte Empfehlung für die Zukunft des Gebäudes und eine Grundlage für zukünftige vergleichbare Planungs- und Entscheidungsprozesse.
Seit Januar 2026 moderiert das Frankfurter Forschungsinstitut FFin der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main den interdisziplinären Dialogprozess zum Juridicum. Das „Zukunftslabor Juridicum“ ist ein dialogorientierter, interdisziplinärer Prozess zur Entwicklung von Zukunftsperspektiven für das Juridicum auf dem Kulturcampus Bockenheim in Frankfurt am Main. Am konkreten Beispiel des gleichnamigen Bauwerks der späten 1960er Jahre entwickelte das „Zukunftslabor Juridicum“ ein Modell für den Umgang mit Bestandsgebäuden wie diesem.
Der Gebäudesektor hat einen großen Anteil am Gesamtenergiebedarf und somit an den Treibhausgasemissionen in Deutschland. Laut Umweltbundesamt lagen die Emissionen des Gebäudesektors im Jahr 2025 bei 103,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten1. Bis 2045 soll der Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral sein. Der Erhalt, Umbau und die energetische Sanierung des Gebäudebestands sind somit zentrale Hebel für mehr Klimaschutz und Ressourcenschonung. In einem moderierten Dialog erarbeiteten Expertinnen und Experten eine Empfehlung zum weiteren Umgang mit dem Gebäude. Untersucht wurden Szenarien vom Erhalt bis zum Abriss sowie deren Auswirkungen auf Baukultur, CO₂-Bilanz, Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl.
Abriss, Teilerhalt oder Umbau: Blaupause für den Umgang mit Bestandsgebäuden
Neben der konkreten Auseinandersetzung mit dem Bestandgebäude Juridicum, entsteht aus dem Prozess „Zukunftslabor Juridicum“ ein wichtiger Musterprozess. Über den Einzelfall hinaus soll es Städten und Kommunen in ganz Deutschland dabei unterstützen, transparente, wissensbasierte Entscheidungen im Umgang mit Bestandgebäuden zu treffen. Zukünftig sollen so langwierige und komplexe Entscheidungsprozesse um die Frage „Erhalt oder Abriss?“ strukturiert und ausgewogen getroffen werden können, um Verfahren oder Abstimmungsprozesse zu verkürzen. Ziel des Musterprozesses „Zukunftslabor Juridicum“ ist es , weiterhin unterschiedliche Themenfelder wie Nachhaltigkeit und Lebenszyklus, Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl sowie räumlicher und funktionaler Kontext zu betrachten und gegeneinander abzuwägen, ohne vorschnelle, einseitige Entscheidungen zu treffen. Das Projekt bewegt sich somit an einer spannenden Schnittstelle zwischen Forschung und Transfer und ermöglicht den intensiven Austausch zwischen Hochschule und Stadtgesellschaft.
Mitte September 2026 hat das Gremium „Zukunftslabor Juridicum“ den Abschlussbericht des Prozesses öffentlich vorgestellt und seine Empfehlungen für das weitere Vorgehen an die Stadt Frankfurt am Main sowie die ABG Frankfurt Holding übergeben.
1 Bundesumweltamt: Emissionsdaten 2025 & Projektionsdaten 2026
Textquelle: Frankfurt University of Applied Sciences