Katastrophenschutz verbessern: Forschungsteam befragt Wohnungslose und Pflegende : Datum:
Katastrophen und Extremwetterereignisse nehmen auch in Deutschland zu. Das Forschungsprojekt „Resilienzförderung und Bildung“ an der Hochschule Bielefeld konzentriert sich in einem Teilprojekt auf Menschen, die im Katastrophenfall besonders gefährdet sind. Die Ergebnisse der Forschung sollen nun dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zur Verfügung gestellt werden, um ihre Unterstützungsleistungen zu verbessern.
Spätestens seit den Überschwemmungen im Ahrtal im Juli 2021 ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Katastrophenvorsorge in Deutschland stark gestiegen. Für Personen, Organisationen und Kommunen ergibt sich daraus die Aufgabe, sich besser auf Katastrophen vorzubereiten – auch, wenn es um sogenannte vulnerable Gruppen geht. Genau hier setzt das Forschungsprojekt „Resilienzförderung und Bildung“ (kurz: ReBi) an, das am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Bielefeld (HSBI) von Prof. Dr. Alexander Scheidt und Prof. Dr. Katja Makowsky und ihrem Team durchgeführt wird. ReBi ist Teil eines praxisnahen Verbundprojektes zur Resilienzförderung im Katastrophenschutz, in dem der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. (ASB), die Krisen- und Katastrophenforschungsstelle (KFS) der Freien Universität Berlin und die HSBI zusammenarbeiten. Das Projekt wird durch die Aktion Deutschland Hilft gefördert.
Selbstschutzfähigkeit stärken und gemeinschaftliche Resilienz fördern
„Ziel des Teilprojekts ReBi ist es, Informationen über Katastrophenrisiken, -vorsorge und Resilienz zu sammeln und praktische Methoden zu identifizieren, die die Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung stärken, gemeinschaftliche Resilienz fördern und lokales Wissen über Katastrophen aktivieren und erweitern“, erläutert Prof. Dr. Alexander Scheidt. „Außerdem identifizieren wir Lücken in den bestehenden Maßnahmen und versuchen sie, durch gezielte Forschung mit ausgewählten, teils als vulnerabel gelesenen Personengruppen, zu schließen. Am Ende wollen wir leicht zugängliche und an unterschiedliche Bedürfnisse und Lernstrategien angepasste Bildungsmaßnahmen zur Katastrophenvorsorge entwickeln, die das Krisenbewusstsein und die Selbstwirksamkeit der Bürgerinnen und Bürger fördern.“
Interviews mit vulnerablen Gruppen
Das ReBi-Forschungsteam an der HSBI bezieht zu diesem Zweck zwei ganz unterschiedliche „vulnerable“ Gruppen in seine Arbeit ein: wohnungslose Personen und Personal aus Pflegeheimen. „Um Zugang zu Personen in der Wohnungslosigkeit zu bekommen, haben wir 16 wohnungslose Personen interviewt, zu denen wir über zwei Beratungsstellen in einer Großstadt in Kontakt gekommen sind“, berichtet Max Aulenbacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt. Professorin Katja Makowsky erläutert: „Durch diese Form der qualitativen Forschung wollten wir besser verstehen, wie Personengruppen Krisen und Katastrophen wahrnehmen, darauf reagieren und welche Schlüsse sich weitergehend daraus für die Förderung ihrer Resilienz gewinnen lassen.“ Durch die qualitativen Interviews wurden Erfahrungen, Bedürfnisse und bestehendes Wissen erfasst und bei der Methodenentwicklung berücksichtigt. Die im Forschungsprojekt entwickelten Methoden sowie die abgeleiteten Ergebnisse aus dem qualitativen Forschungsteil werden im Anschluss vom ASB verbreitet und in die Praxis implementiert, um die Prävention im Katastrophenschutz zu stärken.
Alltag als Dauerkrise
Das Leben auf der Straße wird von den Wohnungslosen oft schon im Alltag als „katastrophal“ empfunden – geprägt von Gewalt, Diskriminierung sowie dem ständigen Ringen um Versorgung und sichere Schlafplätze. Aus ihrer Erfahrung heraus entwickeln wohnungslose Menschen eine hohe Sensibilität für Schutzräume. Die Begleitung anderer Menschen ohne festen Wohnsitz wurde teilweise als Schutzfaktor empfunden. „Eine bedeutende Erkenntnis aus den Interviews ist es somit, dass vor allem Orte wie Beratungsstellen geeignet sind, zum Beispiel Hitze- oder Kältewarnungen zu teilen, ebenso Orte, die als Treffpunkte von wohnungslosen Menschen fungieren“, so Max Aulenbacher.
Die wesentlichen Erkenntnisse der Forschenden der Hochschule Bielefeld (HSBI) aus Interviews mit Wohnungslosen und mit Pflegeteams in Altenheimen lauten: Eine gute Kommunikation ist ebenso zentral wie professionsübergreifende Teamarbeit. Dabei sollten Hilfen da ansetzen, wo sich die Bedürftigen aufhalten und sie in ihrer jeweiligen Lebenssituation „abholen“. Nur so kann Vertrauen als wichtigste Voraussetzung für die Wirksamkeit von Maßnahmen entstehen.
Textquelle: Hochschule Bielefeld (HSBI)