Von Kiefernnadeln zu Garn: WHZ erforscht nachhaltige Textilfasern : Datum:
Seit Anfang November läuft an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) das Nachwuchsforscherprojekt ConFiTex (Conifers, Innovative and Textile Fibres, Sustainable Textiles). Im Fokus steht die Erschließung bislang ungenutzter Fasermaterialien aus Nadeln von Koniferen – vor allem der heimischen Kiefern.
Die bislang als Abfall betrachteten lokalen Koniferennadeln bieten erhebliches Potenzial als nachwachsender Rohstoff und können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Ziele des Europäischen Green Deal in Ressourcennutzung, Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft zu erreichen. Im Projekt ConFiTex untersuchen die Forschenden deshalb die Gewinnung, Modifizierung und textile Verarbeitung der Koniferennadeln – von der chemischen Aufspaltung und verfahrenstechnischen Extraktion bis hin zu Design, Produktentwicklung und Anwendung.
Produziert wird dabei nach ÖkoTex®-Standard und mit naturstoffbasierten Färbeprozessen. Das so entstehende Fasermaterial soll vollständig kompostierbar sein und als nachhaltiger, innovativer Werkstoff in der textilen Wertschöpfung etabliert werden. Da textile Produkte maßgeblich über ihr Design verkauft werden, entsteht eine Kollektion neu konzipierter Garn- und Zwirnqualitäten mit passender Farbauswahl, die zu Prototypen für die Anwendung weiterverarbeitet werden.
Eine besondere Stärke des Projekts ist die Schnittstellenkompetenz zwischen den MINT-Fächern und der gestalterischen Praxis. Designerinnen und Designer erhalten Einblicke in die Fertigungsprozesse während Ingenieure stärker auf Designaspekte achten, was das fachliche Verständnis sowie die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Gestaltung fördert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. ConFiTex bietet jungen Nachwuchsforschenden vielfältige Möglichkeiten zur interdisziplinären und praxisnahen Qualifikation und trägt so zur Weiterentwicklung einer innovativen, nachhaltigen und digitalen Wirtschaft im Freistaat Sachsen bei.
Unter der Leitung von Prof. Katharina Jebsen-Plättner (Textilkunst/Textildesign) arbeitet deshalb ein interdisziplinäres Team der WHZ zusammen, das aus Werkstoffspezialisten, Physikern und Textilforschen sowie aus insgesamt sechs Nachwuchsforschenden besteht. Die Technische Universität Dresden ist mit der Forschungsgruppe Enzymtechnik am Institut für Naturstofftechnik assoziierter Partner.
Durch die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Instituten, wie dem Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V (vti), dem Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V., Chemnitz (STFI), Zschimmer & Schwarz, Norafin Industries, der Nahrungs-Ingenieurtechnik GmbH (NIG), der Spezialenzyme GmbH (ASA) und dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V. (TITK), werden Wissenschaft und Wirtschaft gezielt vernetzt. Das Projektvolumen beträgt rund 1,5 Millionen Euro, wovon knapp 1,4 Millionen Euro durch den Europäischen Sozialfond Plus (ESF Plus) sowie den Freistaat Sachsen bereitgestellt werden.
Textquelle: Westsächsische Hochschule Zwickau