Partizipative Entwicklung und Implementierung einer Advanced Practice Nurse (APN) für Patientinnen und Patienten in der (Alters-)Traumatologie (PATIENCE)
Im Projekt PATIENCE (Partizipative Entwicklung und Implementierung einer Advanced Practice Nurse (APN) für Patientinnen und Patienten in der [Alters-]Traumatologie) befassen sich die FH Münster und die Evangelische Hochschule Bochum mit der Frage, wie die komplexe Versorgung von älteren Menschen nach einem Unfall besser gestaltet werden kann. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Christiane Knecht (FH Münster) und Prof. Dr. Dieter Heitmann (Evangelische Hochschule Bochum).
Herausforderung
In Deutschland ist jede fünfte Person nach Angaben des Statistischen Bundesamtes inzwischen älter als 65 Jahre, und die Zahl der hochbetagten Menschen steigt. Diese Entwicklung stellt das Gesundheitssystem vor Herausforderungen. Ein oft vernachlässigter Bereich ist die Versorgung von hochbetagten Menschen nach Unfällen: Ihre oft zahlreichen Grunderkrankungen führen zu hochkomplexen Anforderungen in der medizinisch-pflegerischen Versorgung im Krankenhaus. Die meisten Pflegefachpersonen mit Grundausbildung und Berufserfahrung sind darauf nicht spezifisch vorbereitet. Fehlende Kompetenzen und daraus resultierende Versorgungsprobleme können zu Defiziten in der Behandlung, Pflege und Rehabilitation führen und somit das Gesundheitssystem weiter belasten. Internationale Vorbilder zeigen, dass auf Masterniveau ausgebildete Pflegefachpersonen, so genannte Advanced Practice Nurses (APN), diese Versorgungslücke schließen können. In Deutschland sind sie jedoch bislang nicht etabliert.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Projekts PATIENCE ist es, ein umfassendes Konzept für Advanced Practice Nurses zu entwickeln, das die Anforderungen, Aufgaben, Kompetenzen, Qualifikationen und Rollen von APN in der (Alters-)Traumatologie beschreibt. Als internationale Vorbilder dienen unter anderem Kanada, Großbritannien und Australien, wo solche hochqualifizierten Pflegefachpersonen bereits eingesetzt werden. Das Konzept wird in Kooperation mit den BG-Kliniken – dem Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung – entwickelt. Es soll im Bereich einer Modellstation praktisch erprobt und mit Blick auf den Nutzen für die pflegerische Versorgung evaluiert werden. Dazu erfasst das Projektteam zunächst über problemzentrierte Interviews die Bedarfslage und die bestehenden Versorgungslücken, bevor in moderierten Denkwerkstätten ein an die Modellstation anschlussfähiges Profil für APN erstellt wird. Die praktische Erprobung wird durch teilnehmende Beobachtungen und Fokusgruppeninterviews wissenschaftlich begleitet.
Innovationen und Perspektiven
Auch wenn einzelne Kliniken in Deutschland wie das Universitätsklinikum Freiburg Advanced Practice Nurses einsetzen, stehen die setting- und zielgruppenspezifische sowie die professionstheoretische Entwicklung und Implementierung für Deutschland noch aus. Die dazu in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse stehen allen Akutkrankenhäusern mit entsprechenden Fachabteilungen offen und lassen sich voraussichtlich auf andere Traumazentren übertragen. So soll das Vorhaben zu einer Verbesserung der Behandlung und Pflege von älteren Menschen nach Unfällen beitragen. Da die Ergebnisse des Projekts zudem unmittelbar in die hochschulische Lehre in pflege- und gesundheitsbezogenen Bachelor- und Masterstudiengängen einfließen, zeigen sie Absolventen pflegebezogener Masterstudiengänge auch interessante Karrierewege auf. Drei integrierte Promotionsprojekte ermöglichen zudem die Weiterqualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses.