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Dritter Platz beim StiPS: Ohrwürmer als Impuls für innovatives Sprachenlernen : Datum:

Für seine Forschung zum Lernpotenzial von Ohrwürmern zeichnete das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Dr. Antonio Vivone mit dem dritten Platz beim Studierendenpreis für Soziale Innovationen (StiPS) aus. Seine Forschung verbindet musikbasiertes Sprachenlernen mit Wohlbefinden und schulischem Transfer. Die Erkenntnisse liefern wegweisende Impulse für Schule und Bildungsforschung.

Eine mit KI-generierte Bildcollage zeigt das Porträtbild eines Mannes im Vordergrund, im Hintergrund sind Schüler und Studenten in Klassenräumen zu sehen. Ein anderes Hintergrundbild zeigt einen Frauenkopf mit Elektronen und eine MRT-Röhre.
Dr. Antonio Vivone © Dr. Antonio Vivone, Collage mit Hilfe von KI generiert

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat das Projekt „Unlocking the Pedagogical Potential of Involuntary Musical Imagery“ von Dr. Antonio Vivone mit dem dritten Platz beim Studierendenpreis für Soziale Innovationen (StiPS) ausgezeichnet. Die Auszeichnung erfolgte im Themenbereich „Bildung & Arbeit“, in dem zukunftsweisende Modelle für Lernen, Qualifizierung und Arbeitsprozesse gewürdigt werden. Das Projekt verbindet Musikpsychologie, Fremdsprachendidaktik und Bildungsforschung mit einem klaren Ziel: wissenschaftliche Erkenntnisse in niedrigschwellige, praktisch einsetzbare Lernansätze zu überführen.

Ohrwürmer fördern Spracherwerb

Ausgangspunkt sind schulische Untersuchungen zum Einsatz ausgewählter Popsongs im frühen Englischunterricht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aktives Singen, musikalische Wiederholung und unwillkürliche musikalische Vorstellungen – umgangssprachlich „Ohrwürmer“ – das Lernen und Behalten von Mehrworteinheiten beeinflussen können. Statt Ohrwürmer ausschließlich als störendes Alltagsphänomen zu betrachten, untersucht das Projekt ihr Potenzial als spontane mentale Wiederholung bereits behandelter sprachlicher Inhalte. Ergänzend wird betrachtet, wie musikbasierte Lernformen mit dem subjektiven Wohlbefinden der Lernenden zusammenhängen. Die bisherigen Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass vokales Training mit Popsongs sprachliche und kognitive Lernprozesse unterstützen kann.

Von der Forschung in die Schulen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Transfer in die Bildungspraxis. Forschungsergebnisse wurden in Materialien für Lehrkräfte und in konkrete Hinweise zur Umsetzung im Unterricht übertragen und an beteiligte Schulen in Deutschland zurückgespiegelt. Der Ansatz lässt sich an bestehende Lernziele und unterschiedliche Unterrichtskontexte anpassen und verbindet wissenschaftlich fundierte Lernprinzipien mit der musikalischen Lebenswelt junger Menschen. Das Projekt ist ein Best-Practice-Beispiel dafür, wie anwendungsorientierte Bildungsforschung gemeinsam mit Praxispartnern entwickelt, überprüft und in nutzbare Lehrformate übersetzt werden kann. Anknüpfungspunkte bestehen insbesondere für die Lehrkräftequalifizierung, Sprach- und Musikpädagogik, Gesundheitsförderung sowie die Entwicklung und Evaluation innovativer Lehrmethoden.

Zugleich ist die Arbeit international vernetzt. Eine deutsch-, spanisch- und italienischsprachige Fragebogenbatterie wird in einem schulischen Forschungsnetzwerk mit acht Ländern und rund 800 Teilnehmenden eingesetzt. Ein abgeschlossener Datensatz aus Deutschland, Italien, Mexiko, Indien und Malaysia bildet die Grundlage für länderübergreifende Vergleiche und eine geplante Replikation in Toronto. Die standardisierten Instrumente ermöglichen es, Gemeinsamkeiten und kontextspezifische Unterschiede systematisch zu untersuchen und Erkenntnisse zwischen Forschungseinrichtungen und Bildungssystemen auszutauschen.

Das Projekt verdeutlicht, wie aus einem alltäglichen Phänomen eine sozial innovative Forschungsidee mit konkretem Bildungsbezug entstehen kann. Das Projekt stärkt die Verbindung von Forschung, Lehre und Transfer und zeigt, wie internationale Kooperation und schulische Praxispartnerschaften zur Weiterentwicklung evidenzbasierter Lernangebote beitragen können.

Textquelle: Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover