Kein Wissens-, sondern ein Verwertungsproblem: neue Transferwege für HAW : Datum:
Wie gelingt Transfer dort, wo Unternehmen, Kapital und Innovationsnetzwerke weniger dicht vertreten sind? Die Hochschule Nordhausen erprobt im Projekt hike neue Wege, um Forschung gezielter in Anwendung zu bringen. Im Fokus steht die Frage, welche Transferformate kleine HAW in strukturschwachen Regionen brauchen und welchen Einfluss Künstliche Intelligenz (KI), passgenaue Teams und früh geklärte Verwertungspfade darauf haben.
Wie können kleine Hochschulen in peripheren Regionen aus ihrer Forschung heraus tragfähige Anwendungen, Geschäftsmodelle und wissenschaftsbasierte Spin-offs entwickeln?
Die Hochschule Nordhausen (HSN) ist in einer ländlichen, strukturschwachen Region verortet, mit wenigen Unternehmen. Auch sind Investitions- und Kapitalstrukturen schwächer ausgeprägt und Netzwerke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weniger selbstverständlich als an vielen urbanen Wissenschaftsstandorten. Als einzige universelle Forschungseinrichtung Nordthüringens kommt der HSN damit eine besondere Rolle im regionalen Innovationssystem zu.
Wissen und Forschung allein führen jedoch nicht automatisch zu Anwendungen und Wertschöpfung. Beispielsweise spielen an der HSN Schutzrechte und wissenschaftsbasierte Ausgründungen bislang eine untergeordnete Rolle. Wie Transfer- und Verwertungsformate für kleine Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in ländlichen Räumen gestaltet sein müssen ist im Vergleich zu Metropolregionen bisher weniger untersucht.
Vom offenen Innovationsformat zum Transferexperiment
An dieser Stelle setzt der Hochschulinkubator hike mit dem HIKEathon an. Das 2022 an der HSN entwickelte Format wurde bereits sechs Mal realisiert und brachte bislang Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen, um mit Methoden des Design Thinking reale Praxisherausforderungen zu lösen.
In der 7. Auflage 2026 wird der HIKEathon grundlegend weiterentwickelt und in einem neuen Format pilotiert. Statt einer offenen Bewerbung stellt hike für ausgewählte Forschungsthemen gezielt Teams mit der jeweils benötigten wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen oder regulatorischen Expertise zusammen.. Die Themen reichen von Quantenschlüsselverteilung und Raumfahrt über generative KI bis zu Wind-, Drohnen- und Dekarbonisierungstechnologien.
Keine Methode für jedes Problem
Methodisch soll der HIKEathon keinem festen Ablauf folgen. Vielmehr bietet der Double Diamond, ein vom British Design Council entwickeltes, vierphasiges Designprozessmodell (Discover, Define, Develop, Deliver), Orientierung für das Öffnen und Verdichten von Problem- und Lösungsräumen. Derer konkrete Prozess wird entsprechend an Thema und Reifegrad ausgerichtet. Generative KI soll Recherche, Perspektivwechsel, Ideenentwicklung, Prototyping und das Roadmapping der Verwertungspfade unterstützen. Ob und an welchen Stellen dies tatsächlich einen Mehrwert schafft, ist ausdrücklich Teil der Pilotierung. Dadurch bleiben Kontextwissen und Urteilsvermögen der beteiligten Expertinnen und Experten zentral.
Transfer beginnt nicht erst nach dem Workshop
Ein wesentlicher Unterschied zum bisherigen Format liegt in der geplanten Anschlussfähigkeit, denn die Teilnehmenden des HIKEathon klären mögliche Verwertungspfade bereits vor Beginn. Dies gelingt durch die Einbindung des Transferwerks der HSN, das die Entwicklung von Anträgen, Transferkonzepten und Anschlussprojekten begleitet.
Ein Pilot mit offenem Ausgang
Ob dieser Ansatz funktioniert, soll der Pilot im Herbst 2026 zeigen. Prozesslogik, Methodenauswahl, KI-Einsatz und Transfervereinbarungen werden deshalb dokumentiert. Langfristig sollen diese Ergebnisse auch andere HAW zur Verfügung gestellt werden, die die Erfahrungen nutzen können.
Textquelle: Hochschule Nordhausen